Eingeschneit
Wir haben diesmal auf den ganzen Fußmarsch verzichtet. Es schneit. Es ist ein regelrechter Schneesturm - selten für diese Jahreszeit, aber wir sind überglücklich! Die Eltern fragen nochmal: Seid ihr sicher? Das Tosen des eisigen Windes ist so laut in unseren Ohren, daß wir sie fast nicht mehr hören.
Rucksäcke, Töpfe, Kisten sind auf unsere kleinen Schlitten gespannt - der Wind bläst uns die spitzen Eiszapfen direkt ins Gesicht: jede noch so kleine Stelle wird erbarmungslos befeuert. Nach 3 Metern sind wir nur noch Jetis. Bedeckt mit Schnee von allen Seiten. Wir sehen keine zwei Meter weit auf diesem offenen Feldweg. Hilflos dem Treiben des Windes ausgeliefert.
Die Schlitten werden schwerer und schwerer, als es bergauf geht - Milimeterarbeit. Daß sie hin und wieder umkippen und wir alles von neuem verstauen müssen, fällt fast schon gar nicht mehr auf. Jetzt ist auch der letzte Funken Licht verschwunden und wir sehen kaum noch etwas. An Fackeln oder eine andere Art Feuer ist bei diesem Wind nicht zu denken und nur ein Verrückter würde seinen Rucksack in diesem Sturm öffnen!
Nachdem wir eine Stunde für die Hälfte der Strecke zwischen Parkplatz und Schutzhütte gebraucht haben - die ich sonst in 5 Minuten gehe - beschließen wir den Großteil der Schlitten zurück zu lassen. Wir decken sie mit den guten BW Decken zu und schultern unser Gepäck. Langsam aber sicher kämpfen wir uns weiter vorwärts gegen den ungnädigen Sturm. Man schaut gar nicht mehr nach vorne, sondern nur auf seine Füße, ob die noch machen, was man ihnen sagt: Ein Schritt nach dem Anderen.
Nach einer endlosen Zeit sind wir am Rand des Waldes. Schnell in die Schutzhütte. Wir verschlingen zwei aufgeweichte Baguettes und stellen fest, daß Wald etwas hervorragendes ist: der Wind ist weg, der Schnee fällt langsam und idyllisch auf den glitzernden Boden. Wir schauen noch einmal aus dem Wald heraus und zum Abschied wohl, heult der Wind nochmal richtig auf und wir machen uns auf den Weg die letzten paar Meter zu Hütte zu gehen. Später, nachdem wir Feuer in der Hütte hatten und unsere Zehen wieder spürten, machten David, Daniel und ich uns auf die Suche nach den Schlitten. Als wir aus dem Wald heraustreten: tausend Sterne säumen den Himmel und vor uns erstreckt sich eine weite Schneelandschaft. Wege, Zäune sogar niedrige Büsche sind in Unkenntlichkeit getaucht. Nach einigem Suchen und einigem Graben - es war immerhin 30 cm Schneedecke über den Schlitten - haben wir sie dann gefunden.
Als wir zurück in die Hütte kommen hat jemand schon Tee gekocht und wir fallen einfach nur erschöpft in die Ecke.
kaju