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August der Schäfer

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August der Schäfer hat Wölfe gehört, Wölfe mitten im Mai, 
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zwar nur zwei, aber August der schwört,
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sie hätten das alte Fraßlied geheult, das aus früherer Zeit
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und er schreit und sein Hut ist verbeult.
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Schreit: "Rasch holt die Sensen sonst ist es zu spät, 
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schlagt sie tot noch ehe der Hahn dreimal kräht
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doch wer hört schon auf einen alten Hut und ist auf der Hut, und ist auf der Hut?

August der Schäfer ward nie mehr gesehn, nur sein alter Hut, voller Blut, schwamm im Bach. Zirka zehn hat dann später das Dorfhexenkind nachts im Steinbruch endeckt, blutbefleckt und die Schnauzen im Wind.Dem Kind hat die Mutter den Mund zugehext hat geflüstert: “Bist still oder du verreckst. Wer den bösen Wolf nicht vergißt mein Kind, bleibt immer ein Kind.”

Schon schnappten Hunde den Wind, und im Hag rochen rochen Rosen Aas. Kein Schwein fraß. Eulen jagten am Tag. Hühner verscharrten die Eier im Sand. Speck im Fang wurde weich, aus dem Teich krochen Karpfen ans Land. Da haben die Greise zahnlos gelacht und gezischelt: “Wir haben’s ja gleich gesagt. Düngt die Felder wieder mit altem Mist!”

Dann zu Johannis beim Feuertanzfest - keiner weiß heut mehr wie - waren sie plötzlich da. Aus Geäst sprangen sie in den Tanzkreis, zu schnell bissen Bräute ins Gras, und zu blaß schien der Mond; aber hell, hell brannte das Feuer aus trockenem Mos, brannte der Wald bis hinunter zum Fluß. “Kinder spielt vom Rauch dort wissen wir nichts und riechen auch nichts.”

“Jetzt kommen Zeiten, da heißt es, heraus mit dem Gold aus dem Mund. Seid klug und wühlt euch Gräben ums Haus. Gebt eure Tochter dem rohesten Knecht, jenem der noch zur Not, nicht nur Brot mit den Zähnen aufbricht.” So sang der verschmuddelte Bauchladenmann und pries Amulette aus Wolfszähnen an: “Wickelt Stroh und Stacheldraht um den Hals und haltet den Hals.”

Was ist denn doch in den Häusern passiert? Bisse in Balken und Bett. Welches Fett hat den Rauchfang verschmiert? Wer gab den Wölfen die Kreide, das Mehl, stäubte die Pfoten weiß? Welcher Geiß glich das Ziegengebell? Und hat sich ein siebentes Geißlein versteckt? Wurden Wackersteine im Brunnen entdeckt? Viele Fragen, die nur einer hören will, der stören will.

Doch jener Knecht mit dem Wildschweingebrech - heut ein Touristenziel - weiß viel da geschah. Aber frech hockt er im Käfig, frißt Blutwurst und lacht, wenn man ihn fragt. Und nur Schlag null Uhr zur Johannisnach, wenn von den Bergen das Feurrad springt, die Touristenschaar fröhlich das Fraßlied singt, beißt er wild ins Gitter, schreit: “Schluß mit dem Lied, ‘s ein garstiges Lied.”

August der Schäfer hat Wölfe gehört, Wölfe mitten im Mai, mehr als zwei, aber August der schwört, sie hätten das alte Fraßlied geheult, das aus früherer Zeit und er schreit und sein Hut ist zerbeult. Schreit “Rasch holt die Sensen sonst ist es zu spät, schlagt sie tot noch ehe der Hahn dreimal kräht doch wer hört schon auf einen alten Hut und ist auf der Hut, und ist auf der Hut?


Worte & Weise Franz Josef Degenhardt
Jahr 1965, “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern”


Kommentar


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SJ 10

 
feuerkreis/lieder/august_der_schaefer.txt · Zuletzt geändert: 03/01/2006 von kaju

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